15. März 2021

Open call for Spain

Duration: June 2021, 12 months (flexible) Where? Calpe and other […]

mehr erfahren

12. März 2021

Open call for Madeira

Bei einem historisch-kulturellen Projekt auf der Insel Madeira wird noch […]

mehr erfahren

16. Februar 2021

FSJ – Version Light

Freiwilligendienst in Zeiten von Covid 19 – Meine bisherigen Erfahrungen […]

mehr erfahren

06. Dezember 2016

EVS: step by step!

In sechs Schritten zum europäischen Freiwilligendienst!   Schritt 1: Finde […]

mehr erfahren

Shekker.de: Aus den Anfängen des Peru-Projektes

Erfahrungen aus einem Jugendgefängnis in Peru

(Shekker.de 2006) Stacheldraht, Beton, Aufseher und Gewehre im Anschlag. Vier Wochen lang haben fünf deutsche Jugendliche den Alltag straffälliger Straßenkids in Peru geteilt. Und ihnen gezeigt, dass es außer Gewalt noch eine andere Sprache gibt.

Ich schwitze. Es steht drei zu null gegen Deutschland. Also muss ich alle Kräfte mobilisieren. Ich bin kein guter Spieler, aber ich kämpfe – und am Ende schaffen wir immerhin ein respektables Ergebnis von drei zu zwei. Die peruanischen Kids jubeln. Auch wenn ich nicht verstehe, was sie sagen: Fußball ist Kommunikation und wird es bleiben bis zu unserem Abschied.

 

Unter Schwerverbrechern

Das seltsame Länderspiel fand an einem Septembertag im Jahr 2005 hoch in den Anden statt. Es war unser Einstand im Poder Judical, einer Resozialisierungsanstalt für straffällig gewordene Jugendliche in Peru. Die meisten von ihnen sind noch Kinder, kaum älter als 15 Jahre. Früher lebten sie irgendwo in Peru am Rande der Gesellschaft. Ihr Zuhause war die Straße. Jetzt verbüßen sie ihre Strafen im Jugendgefängnis von Arequipa – wegen Diebstahl, Drogenhandel oder Mord.

Im Poder Judical müssen sie lernen, ihre Probleme ohne Gewalt zu lösen. Wer sich prügelt, wird mit unangenehmen Arbeiten bestraft. Es gibt strenge Regeln und feste Tagesabläufe. Denn die Kids sind nicht einfach nur inhaftiert: Sie bekommen hier so etwas wie eine handwerkliche Ausbildung. Es gibt eine Tischlerei, eine Textilwerkstatt und einen Garten.

Überleben mit allen Mitteln

Ich glaube, mir war nicht klar, worauf ich mich eingelassen hatte. Die beste Vorbereitung konnte nicht verhindern, dass ich schockiert war, als ich mich zwischen kindlichen Schwerverbrechern wiederfand. Die Lebensverhältnisse in Arequipa sind erschreckend. So viel Armut, so große soziale Probleme. Die meisten Kinder sind sich selbst überlassen, sie kämpfen von klein auf ums Überleben.

Und weil sie es nicht anders kennen, versuchen sie auch im Poder Judical nach den Regeln der Straße zu leben. Hohn und Spott, sowohl untereinander als auch den Wärtern und Lehrern gegenüber. Vor allem für die Neuankömmlinge gehört das zum Alltag. Wenn es keiner sieht, gibt es schon mal einen Fußtritt oder Faustschlag.

Werte vermitteln

Und wir? Wir jungen Deutschen waren dort, um etwas anderes vorzuleben. Freundschaft, Respekt, Freude am Lernen, Disziplin. Vier Wochen lang haben wir Juan, Carlos, Ronald und die anderen von früh bis spät begleitet. Wir haben gemeinsam mit ihnen in den Werkstätten der Anstalt gearbeitet, Stühle gebaut, Anstaltskleidung genäht, Hecken gepflanzt. Und zwischendrin immer wieder Fußball gespielt. Wir waren ein bisschen wie sie. Es gab keine Sonderstellung für uns.

Mit einer Ausnahme vielleicht: Wir durften ihnen wie die Lehrer der Anstalt etwas beibringen: Spanisch und Englisch. Nicht nur nebenbei, sondern in einem richtigen Unterricht. Ich werde nie vergessen, wie scharf die sonst so coolen Kids darauf waren, sich von uns Schmusesong-Texte übersetzen zu lassen. Oder uns um die englische Übersetzung für „Ich liebe dich“ gebeten haben.

Das Leben im Gefängnis wurde zum Alltag für uns. Die peruanischen Jungs haben unsere Anwesenheit nicht nur als willkommene Ablenkung empfunden. Am letzten Tag sind einige der harten Jungs nicht zu unserer Verabschiedung aufgetaucht. Weil sie in der Küche standen und geheult haben. Zwischen uns ist etwas entstanden: Achtung und Respekt. Vielleicht bleibt etwas davon in der Anstalt, wenn wir wieder weg sind.

Ich habe viel gelernt in Peru. Unter anderem, dass es Menschen gibt, die weniger Chancen haben als andere. Ich will etwas dafür tun, dass sich das ändert.

Karsten Fennel, (Zum Zeitpunkt des Artikels 26 Jahre)

Schekker-Info: Das bilaterale Austausch-Projekt wurde von der Norddeutschen Jugend im Internationalen Gemeinschaftsdienst (NIG e.V.) durchgeführt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Jugendbegegnungen im In- und Ausland finden auch 2006 statt.

Karsten Fennel hat den Verein Kompass eggs gegründet. Er will die peruanischen Jugendlichen auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft unterstützen. Mit 100 Soles Startkapital, das sind etwa 25 Euro, sollen sie den Weg in die Selbstständigkeit schaffen. In einer Werkstatt außerhalb des Gefängnisses könnten die Jugendlichen nach ihrer Ausbildung auch tatsächlich Geld verdienen und vor allem legal arbeiten.

Bisher landen 92 Prozent der Kids wieder auf der Straße – und früher oder später erneut im Gefängnis. Wer helfen will, das zu ändern, kann den Verein durch Spenden unterstützen:

Kompass eggs e.V. – Stichwort KEC(K) – Kontonummer: 200021265 BLZ: 13050000 Kreditinstitut: OSPA.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.