27. August 2021

ESC-Bericht

Hallo zusammen!  Hier bin ich, Aytan, wieder. Es ist die […]

mehr erfahren

12. August 2021

Vorbereitungstreffen in Rostock

Vergangenes Wochenende luden wir einige junge Menschen aus ganz Deutschland […]

mehr erfahren

16. Februar 2021

FSJ – Version Light

Freiwilligendienst in Zeiten von Covid 19 – Meine bisherigen Erfahrungen […]

mehr erfahren

06. Dezember 2016

EVS: step by step!

In sechs Schritten zum europäischen Freiwilligendienst!   Schritt 1: Finde […]

mehr erfahren

Erfahrungsbericht: Chicha, Cuy…

…und Carreteras

Wie kam ich eigentlich dazu?

Während ich nach meinem Studium und einer Auszeit in Indien auf der Suche nach einer Arbeit war, die meinen Fähigkeiten entsprach, ergab sich relativ kurzfristig die Möglichkeit, für Kompass e.V. nach Peru zu reisen. Die Gruppe, die bereits dafür vorgesehen war, hatte sich rechtzeitig zerschlagen und es sah ganz so aus, als ob Thomas als Alleinkämpfer an die peruanische Front geschickt werden müsste. Bei seinen rudimentären Fremdsprachenkenntnissen hätte das sicher zu einigen Schwierigkeiten geführt, weshalb tatkräftige Unterstützung durchaus sinnvoll schien. Und da ich bereits 2005 in Südamerika herumreisen durfte und diesen Kontinent und seine Kultur lieben gelernt hatte, ergriff ich die Gelegenheit und schloss mich der Ein-Mann-Truppe an. Dadurch konnte ich jedoch auch nicht an den Vorbereitungstreffen teilnehmen und ergab mich vollends der Planung der anderen, ein bisschen vergleichbar mit dem Sprung ins kalte Wasser: Man weiß was theoretisch kommt und trotzdem ist man schließlich überrascht.

Durch die sehr kurzfristige Organisation konnte ich zudem meinen Reisepartner Thomas erst auf dem Flughafen in Berlin kennenlernen, aber aus ein paar Emails vorab wurde bereits deutlich, dass wir uns gut verstehen werden. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Das Ziel unserer Reise

Der Grund unseres Austausches war in erster Linie Kommunikation. Das Projekt mit dem Centro Juvenil Alfonso Ugarte (CJAU) war mal wieder zum Erliegen gekommen und es ließ sich von Deutschland aus nicht feststellen, worin das Problem bestand. Seit dem Tod von Prof. Cardena fehlte eine entscheidende treibende Kraft und vor allem der Ansprechpartner vor Ort. Nachdem Steffen 2010 die Kommunikation wiederherstellen konnte und es eine Weile ganz gut lief, brach der Kontakt erneut ab und ließ sich ohne weiteres auch nicht wieder herstellen. Emails wurden nicht beantwortet und Telefonate verliefen ohne Ergebnis. Unsere Minidelegation hatte deshalb primär die Aufgabe, die Ursachen für diese Kommunikationsprobleme festzustellen und herauszufinden, inwieweit das Projekt fortgeführt werden kann und welche Unterstützung dafür nötig ist. Dafür hatten wir eine Woche eingeplant, in der wir hofften, das CJAU zu besichtigen, mit den Mitarbeitern zu reden und mit ihnen Sachlage, Probleme und Lösungen zu erörtern, vielleicht sogar neue Projekte zu initiieren, die Jugendlichen kennenzulernen und sie vor allem an Thomas seinen Fußballkünsten teilhaben zu lassen. Wir dachten an nette kleine Gespräche im Sonnenschein, an beidseitige Inspiration und an mögliche Freundschaften.

Neben der Kommunikation mit dem CJAU hatten wir viel Zeit für Treffen mit drei weiteren Organisationen eingeplant. Bei den Vorbereitungstreffen für den Austausch wurden die Erfahrungen von Steffen von 2010 ausgewertet und sich auf drei Kontakte konzentriert, mit denen sich möglicherweise eine langfristige Partnerschaft im Jugendaustausch zwischen Peru und Deutschland entwickeln könnte. Ziel war es herauszufinden, wie ein solcher Jugendaustausch aussehen könnte, mit welchem Zeitrahmen zu rechnen wäre, welche logistischen Vorbereitungen getroffen werden müssten und für welche Jugendliche und Erwachsene ein solcher „Einsatz“ in Peru überhaupt in Frage käme.

Das Projekt CJAU

Am 8. Dezember be- und entstiegen wir den eisernen Vogel, der uns heil über das große Wasser brachte und verarbeiteten erste kulturelle Unterschiede in Lima, bevor wir die Panamericana nach Süden düsten, zu unserer Rechten das Meer, zur Linken die sandigen Ausläufer der Anden und im Ohr die eingängige Stimme Manu Chaos: „…por la carretera…“. In Arequipa fanden wir erfolgreich an Edgar vorbei den Weg zu seinem Haus, welches für den folgenden Monat auch unser Zuhause werden sollte. Beim Warten auf die Rückkehr Edgars vom Busbahnhof lernten wir so aber auch gleich die ganze Nachbarschaft kennen. Als er uns dann endlich gefunden hatte gings an die Zimmerverteilung (der Gentleman Thomas überließ mir die Luxussuite …vielen Dank ) und ans erste Kennenlernen. In den darauffolgenden Wochen sollte uns dieser etwas chaotische aber herzensgute Peruaner so richtig ans Herz wachsen. Am Ende war Edgar nicht nur Gastgeber und Hilfe in den Kultureigenheiten Perus (ich denke da beispielsweise an ein äußerst eigenwilliges Pfandsystem), sondern sowohl Teil des Projektes mit CJAU als auch ein Freund. Edgar für dieses Projekt zu gewinnen war sicher mit der größte Erfolg unserer Reise. Wollte er es früher vermeiden, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten kam er doch nicht gegen sein helfendes Naturell und unseren Enthusiasmus an und packt nun begeistert mit an. Zwar weiß er noch nicht, wohin ihn sein Leben nach dem Abschluss seines Touristikstudiums Ende 2012 führen wird, immerhin hat er mehrere Jahre in Deutschland und Spanien verbracht, doch den Wunsch zu helfen kann er nicht ignorieren.

Die Kontaktaufnahme mit dem CJAU gestaltete sich auch mit Edgars Hilfe zunächst eher frustrierend. Anscheinend wusste niemand etwas von unserem Kommen, obwohl wir sogar nach Steffens Zeit teilweise einen „Mann vor Ort“ hatten. Da sich mein Spanisch auf Smalltalk beschränkte und Thomas die Morgenstunden damit verbrachte „Wie heißt du? Darf ich mit dir tanzen?“ zu lernen war Edgar unentbehrlich, um nötige Informationen aus der rekordschnell sprechenden Direktorin herauszufiltern. Er begleitete uns auch bei unserem ersten Besuch im CJAU, bei dem die Kommunikationsprobleme erfolgreich aufgelöst werden konnten und nötige Absprachen für das Projekt „Holzkreuze“ getätigt wurden. Da wir leider in eine Phase fielen, in der sämtliche hergestellten Produkte kurz zuvor verkauft worden waren und auch die Herstellung brachlag konnten wir uns kaum Beispiele anschauen oder weitere Möglichkeiten besprechen. Die Jugendlichen hatten die nächsten Wochen „arbeitsfrei“ und die Mitarbeiter steuerten auf ihren Urlaub zu. Da unser Besuch für die Leitung recht spontan ausfiel verpufften außerdem unsere Hoffnungen, mit den Jugendlichen direkt arbeiten zu können, sie kennenlernen zu dürfen sowie Einblick in den geschlossenen Bereich zu erhalten. Zwar wurde ein weiteres Treffen verabredet, bei dem wir uns die Werkstätten anschauen konnten und mit dem Tischler, der Näherin und dem Psychologen reden konnten, aber aus dem auch vorgesehenen Fußballspiel wurde dann doch nichts. Dabei hatte sich Thomas schon so darauf gefreut und es liefen Wetten, wie lange er bei der 2000-Meter-Höhensituation durchhalten würde.

Ob sich die Kommunikationsproblematik nun dauerhaft gelöst hat muss sich erst noch zeigen, die Weichen sind jedoch gestellt, Absichten bekräftigt und mit Edgar haben wir nun sogar eine neue Verbindungsstelle vor Ort.

„Intiwawa“, „The Meeting Place“ und „Learning for Hope“

Die Treffen mit den Freiwilligenorganisationen fanden sowohl in Arequipa als auch in Cuzco statt. „Intiwawa“ hat starke Beziehungen zu Deutschland, weshalb wir vor Ort ganz unkompliziert in Deutsch reden konnten. Dörte gab uns bereitwillig Auskunft über die aktuellen Projekte und die Zukunftsvisionen der Organisation. In einem wechselnden Wochenplan wurden die gerade anwesenden Freiwilligen aus vielen verschiedenen Ländern in die einzelnen Arbeitsschichten eingeteilt: Unterricht an Schulen in English und Hygiene in verschiedenen Dörfern, Frühstückspakete oder die Vorbereitung des Baus eines Gemeinschaftshauses (mittlerweile ist der Hausbau in vollem Gange und kann auf der Internetseite von Intiwawa live mitverfolgt werden). Einige Helfer fanden in den Räumlichkeiten des Hauses Unterschlupf, wodurch eine hostelartige Atmosphäre entstand, wenn man sich in der Gemeinschaftsküche traf oder sich beim Einkaufen zusammentat. Alles in allem bietet Intiwawa eine gute Plattform, sich auch auf eigene Faust in Peru zu engagieren, andere Freiwillige aus verschiedenen Ländern kennenzulernen und einen Einblick in die Situation geographisch isolierter mittelloser Dörfer im Süden Perus zu bekommen.

Bei unserem Gespräch mit Scott Englund lernten wir einen charismatischen, inspirierenden und sehr kommunikativen Menschen kennen, der unglaublich viele Verbindungen zu sozialen Organisationen aus allen Bereichen hat. Wie er selbst auch meinte scheint es, je mehr Zeit er in seinem Meeting Place verbringt, desto mehr erfährt er über Möglichkeiten und Organisationen in der Umgebung und in ganz Peru. Nicht nur kommen Leute zu ihm, die seine Hilfe suchen und von ihm bereitwillig in die richtige Organisation vermittelt werden, ihn erreichen auch junge Menschen, die ihn von neuen Vereinen und Orten erzählen und so eine neue Verbindung herstellen. Seine Begeisterung ist ansteckend und man hat schnell den Wunsch ihm zu bitten die richtige Organisation für einen selbst herauszufinden, denn sicher hat er was Passendes und Spannendes auf Lager. Wäre nicht Halloween gewesen und die Vorbereitung der Abendparty hätte gerufen, wer weiß wie lange wir noch über Ideen und Notwendigkeiten in Peru und auf der Welt hätten reden können, zumal man bei Scott das Gefühl hatte, das vielleicht ein oder zwei der aufgekommenen Ideen weiterverarbeitet und in Zukunft tatsächlich zu echten Projekten werden könnten und eben nicht nur Luftblasen und schöne Worte bleiben.

Bei unserem Gespräch mit Edwin von „Learning for Hope“ ergab sich endlich auch die Möglichkeit, uns die Ergebnisse der Arbeit direkt vor Ort ansehen zu können. „Learning for Hope“ adoptiert Schulen und beseitigt in Absprache mit dem Direktor der Schule und in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung Defizite, die mit der ländlichen Struktur einhergehen. Dies können normale Transportprobleme sein, ein intaktes Schulgebäude, die Möglichkeit, das Schulessen unter einem Dach zubereiten zu können, was gerade in der Regenzeit notwendig ist, Sachspenden für den Unterricht, Englisch- oder Computerlehrer oder ein Gewächshaus für empfindliches Gemüse, da die meisten Dörfer auf 3000 Meter oder darüber angesiedelt sind. Bei solchen klimatischen Umständen machen feine Salatblätter oder Tomaten im Freiland nicht mehr mit.

Uns „entführte“ Edwin nach Paruparu, einem sehr kleinen und sehr hoch gelegenen Dorf in der Nähe von Pisac. Wir konnten die neu gestrichene Schule besichtigen, sprachen mit dem Direktor über die Lernsituationen, sahen die Küche, das Gewächshaus, die gespendeten Musikinstrumente (was nützt eine reiche musikalische Tradition, wenn keine Instrumente zum Spielen vorhanden sind?) und PC´s und informierten uns über das weltweit bekannte und nun auch in Paruparu angekommene „One Laptop per Child“-Programm, deren erste Lerncomputer zwar im Dorf angekommen waren, aber wie man sie bediente und welche Möglichkeiten damit verbunden waren musste erst noch herausgefunden werden. Zumal bei 100 Kindern nur 13 Computer zur Verfügung standen, was den Namen des Programm ad absurdum führt. Unser Aufenthalt in Paruparu hat bei uns beiden einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine atemberaubende Landschaft stand in tiefem Kontrast zu den vielen Problemen, die sich aus Mittellosigkeit und der schwierigen Erreichbarkeit ergeben. Auf unserer Rückfahrt wurde dies in einer traditionell gekleideten sehr alten Frau zusammengefasst, welche sich anschickte, die 16 Kilometer bis nach Pisac zu laufen, da nur der Zufall (in diesem Fall wir) ein Auto vorbeischicken konnte, dass sie auf der Schotterpiste mitnehmen könnte. Hoffnungsvoll stimmt da nur, dass sich in jeglichem fahrbaren Untersatz Perus eigentlich immer genügend Platz für eine Person findet, und wenns oben auf dem Dach ist.

Schlussendlich

Uns hat die Reise mit tausend neuen Eindrücken und Erfahrungen bereichert. Ich vertiefte meine Liebe zu Südamerika, der Schönheit der Anden und der Liebenswürdigkeit der Menschen, konnte endlich wieder Maca (nahrhafte Wurzel) und Quinoa (Getreide) genießen, hob meine haarsträubenden Spanischkenntnisse auf das respektable Niveau holprig-brüchig an und war begeistert von den durchdachten Ansätzen der NGO´s, mit denen wir uns getroffen hatten. Gibt es doch viele (vor allem große) Organisationen, die beim Wunsch zu helfen ihre eigenen ökonomischen Interessen noch im Blick behalten, so fanden wir nur solche, die einzig der Wunsch zu helfen verband, welche die lokale Bevölkerung in ihre Arbeit einbezogen und nicht nur finanzielle Lösungen anstrebten sondern vor allem langfristige Hilfe zu Selbsthilfe boten. Edwin und Scott waren unglaublich inspirierende Menschen und bei uns beiden keimte nicht nur einmal der Wunsch, uns ihren Missionen anzuschließen. Thomas musste zwar auf das Fußballspiel mit den Jungs aus dem CJAU verzichten, doch auch für ihn war die Reise trotzdem unglaublich wertvoll. Er konnte viele für die Probleme straffälliger Jugendliche sensibilisieren, kann nun einige Sätze und sehr viele Zahlen mit Edgar in dessen Landessprache wechseln und hat aus den Eindrücken in Peru Erinnerungen fürs Leben gewonnen. Vor allem Paruparu hat ihm das Herz erweicht. Gerne hätte er sich an Ort und Stelle der Schuhe entledigt und wäre für 3 Monate dageblieben, um jeden Tag seine leckere Suppe zu kochen. Selbst auf dem Flug zurück schaffte er es, der niederländischen Stewardess unsere Projekte nahezubringen und sie für die soziale Arbeit im Strafvollzug zu interessieren.

In unserem Monat in Peru konnten wir bei all dem ganzen Organisatorischen auch Zeit für die Entdeckung des Landes finden. Neben wunderbaren Ausflügen nach Sogay und Yura mit unserem meist sachkundigen Privatführer Edgar, dem Wandeln auf der „Ruta troncal antisuyu“ bei Cuszo, die von Thomas entdeckt wurde, meinem mehrtägigen Trip zum Machu Picchu und dem Erkunden der Umgebung von Arequipa wurden wir im Dorf von Pinto, einem Angestellten des Gefängnisses, herumgeführt und bekamen eine private Einführung in die kulinarische Welt Perus und dem beliebten Pisco von der wunderbaren Mama von Edgar. Zum Chichatrinken, das traditionelle Maisbier, brachte Edgar uns schon nach einer Woche, und tollkühn wie wir sind schreckte uns auch der Anteil von Spucke aus den Mündern rundlicher Mamitas nicht ab. Aber unser Plan, einmal das berühmte Cuy zu kosten, also ein leckeres gemästetes Meerschweinchen, den konnten wir leider nicht erfüllen. Es wäre für uns Vegetarier sicher auch eine Überwindung gewesen, aber ich hatte mich schon darauf gefreut, die putzigen Nager in Zukunft unter geschmacklichen Gesichtspunkten zu betrachten.

Der einzige Wehrmutstropfen bei der Erfüllung unserer Mission in Peru war für uns beide die verpasste Chance, die Jugendlichen Im CJAU näher kennenzulernen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Hierauf hatten wir uns beide besonders gefreut und es war schade, dass wir wegen des ungünstigen Zeitfensters und der fehlerhaften Kommunikation auf zu wenig Vertrauen seitens der Verwaltung stießen und im Rahmen unseres Austausches auch keines aufbauen konnten. Trotzdem sehe ich unsere Reise nach Peru als Erfolg. Wir haben sehr viele Anregungen für zukünftige Projekte bekommen, haben tolle und motivierende Menschen kennengelernt, die meinen Glauben an die Menschlichkeit erneuert haben, haben Freunde gefunden und zumindest für mich wird es sicher nicht meine letzte Reise nach Peru gewesen sein. Was jetzt bleibt ist, die vielen Ideen und Möglichkeiten auch in die Tat umzusetzen und so auch anderen die Chance zu geben, die innere und äußere Schönheit Perus kennenzulernen.

Eure Ute und euer Thomas

Mehr zum Thema Peru erfährst Du hier:

Projekt: Alfonso Ugarte, Mitmachen: Freiwillige für Peru gesucht, Den Erfahrungsbericht 2010 von Steffen findest Du hier! Zum Erfahrungsbericht 2011 von Ute und Thomas geht es hier lang!

 

 

Ein Kommentar zu »Erfahrungsbericht: Chicha, Cuy…«

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.